Deutsche Sprache

Gleichstellung, aber richtig!


Die deutsche Sprache bietet diverse Möglichkeiten der Gleichstellung von Männern und Frauen. Diese bringen aber offensichtlich mitunter gewisse Schwierigkeiten mit sich. Vor allem bei den Kurzformen im Plural, die beide Geschlechter miteinschließen sollen, gibt es häufig Unsicherheiten. Gerne verwendet wird das goße I innerhalb eines Wortes (KundInnen). Großschreibung im Wortinnern ist gemäß Rechtschreibung jedoch nicht zulässig. Kurzformen lassen sich korrekt mit Klammern oder Schrägstrich verwenden, wobei die Schrägstrichvariante einen Bindestrich vor der Endung -innen erfordert. Welche Variante zu wählen ist, hängt davon ab, wie die weibliche Form eines Wortes jeweils gebildet wird. Hier ein paar Beispiele, was möglich ist und was nicht:
Wird die weibliche Endung -innen an die männliche Endung angehängt (meistens bei Wörtern, die auf -er enden), sind sowohl Klammern als auch der Schrägstrich erlaubt: Leser(innen), Leser/-innen
Wird die männliche Pluralendung bei der weiblichen Endung wiederholt, ist nur die Variante mit Klammern möglich: Absolvent(inn)en
Gibt es für die weibliche und die männliche Form unterschiedliche Endungen, ist es abhängig vom Fall, in dem das Wort steht, ob eine Kurzform verwendet werden kann: z. B. Friseure und Friseurinnen – hier ist die Kurzform mit Schrägstrich gar nicht möglich; die Klammervariante erlaubt nur der Dativ: von Friseur(inn)en

Die beliebtesten Fehler bei Feiertagen

Die Kalenderproduktion für 2011 läuft derzeit vielerorts auf Hochtouren, wie die Stapel mit zu korrigierenden Kalendern auf unseren Schreibtischen beweisen. Bei den Monatsnamen gibt es meist nicht viel zu verbessern, dafür haben es so manche Feiertage in sich, was die Schreibweise angeht. Daher listen wir hier einmal einige Feiertage auf, die uns häufig falsch geschrieben vor den Rotstift geraten:


Heilige Drei Könige (nicht Heilige drei Könige und auch nicht Heilige 3 Könige)

Fronleichnam (nicht Frohnleichnam)

Tag der Deutschen Einheit (nicht Tag der deutschen Einheit)

Halloween (nicht Helloween)

Buß- und Bettag (nicht Bus- und Bettag und auch nicht Buß- und Betttag)

Heiligabend (nicht Heilig Abend, aber der Heilige Abend ist korrekt!)

Silvester (nicht Sylvester)

Redewendungen verwenden und verdrehen

Redewendungen, Redensarten, feststehende sprachliche Bilder sind eine schöne Sache und können Texte bereichern. Eine schöne Sammlung von Redensarten und Metaphern „mit Hand und Fuß“ präsentiert Vera Carius hier. Falsch verwendete Redewendungen können allerdings auch ziemlich komische Stilblüten sprießen lassen.


das Auge des Vulkans

Das geht mich nicht die Bohne an.

Das spielt doch keine Kontrolle.

Das schlägt dem Fass die Krone aus.


Das nur als kleine Auswahl an Verdrehern, die einem als Lektorin so über den Weg laufen können. Wer derartige Pannen vermeiden möchte, dem sei der Redensarten-Index ans Herz gelegt.

Punkt, Punkt, Punkt – Rechtschreibtipp Auslassungspunkte

Drei hintereinander stehende Punkte kennzeichnen eine Auslassung. Entweder sind Teile eines Wortes oder Teile eines Satzes ausgelassen. Hierbei gibt es einen entscheidenden Unterschied: Werden Teile eines Wortes ausgelassen, setzt man keinen Leerschritt vor den Auslassungspunkten:
Verd… noch mal!
Fehlen jedoch ganze Wörter oder Satzteile, steht vor den Auslassungspunkten ein Leerschritt:
Herr …, dessen Name hier nicht genannt werden soll, war auch dabei. Ich weiß auch nicht recht …
Stehen die Auslassungspunkte am Ende eines Satzes, gibt es keinen zusätzlichen Schlusspunkt. Beenden die drei Punkte eine Aufzählung, wird vor dem letzten Aufzählungsglied kein Komma gesetzt:
Zu kaufen gibt es Lebensmittel aller Art: Brot, Käse, Schinken, Obst …


Übrigens sollte man für korrekte Auslassungszeichen nicht einfach dreimal die Punkttaste auf der Computertastatur drücken, sondern die vorgesehene Tastenkombination benutzen: Auf dem Mac ist das „Alt“ und die .-Taste; unter Windows die Alt-Taste und die Ziffernfolge 0133 auf dem Ziffernblock.

Tauschbörse für ungeliebte Wörter

Manche Wörter sind einfach doof: klingen unschön, falsch, bürokratisch, floskelhaft, zu modisch oder abgegriffen. Wörter, bei denen sich einem die Nackenhaare aufstellen … Hat man mal so ein Wort auf dem Kieker, läuft es einem plötzlich ständig über den Weg, taucht in Zeitungen und Werbetexten auf oder gehört zu den Lieblingswörtern von Politikern und Zeitgenossen, die einem eher unsympathisch sind. Hier ist eine Liste von Wörtern, die mich persönlich nerven, und von Wörtern, die ich lieber mag und gegen die ich die anderen gerne eintauschen würde:


Wörter, die ich nicht mag
zeitnah – Tauschwort: bald, in Kürze, demnächst

proaktiv – Tauschwort: aktiv, engagiert

nachhaltig – Tauschwort: dauerhaft

rückhaltlos – Tauschwort: schonungslos, lückenlos (je nach Kontext)

diesbezüglich – Tauschwort: in dieser Sache

in 2010 – Tauschwort: 2010, im Jahr 2010

Expertise – Tauschwort: Erfahrung

das Weiterso – Tauschwort: Fortsetzung, Kontinuität, Beständigkeit

Abwrackprämie – Tauschwort: Subventionierung der Automobilbranche

Wetterproblematik – Tauschwort: schlechtes Wetter

Schreibe – Tauschwort: Schreibstil

Streifen – Tauschwort: Film

Unruhestand – Tauschwort: Rente, Pension, Ruhestand

fremdschämen – Tauschwort: sich für jmdn. schämen

Facility-Manager – Tauschwort: Hausmeister

etwas erinnern – Tauschwort: sich an etwas erinnern

abändern – Tauschwort: ändern

händisch – Tauschwort: von Hand

fußläufig – Tauschwort: zu Fuß

schlussendlich – Tauschwort: schließlich

tschüssi – Tauschwort: tschüss


Diese Liste darf gerne ergänzt werden – wem fallen noch mehr ungeliebte Wörter ein? Wer keine schöneren Alternativen weiß, der bekommt von uns ein besseres Wort geliefert. Die Tauschbörse für ungeliebte Wörter ist eröffnet!

Englische Wörter trennen

„Shoppingcenter“, „Facility-Manager“, „Servicepoint“ – derartige englische Wörter tummeln sich nicht selten in deutschen Texten. Aber wie trennt man die Wörter eigentlich? Im Englischen gilt schließlich nicht die Silbentrennung wie im Deutschen, sondern es gibt andere Trennungsregeln. Sind die fremdsprachlichen Wörter in einen deutschen Text eingebettet, so gilt auch für sie die deutsche Silbentrennung, also:


Shop-ping-cen-ter

Fa-ci-li-ty-Ma-na-ger

Ser-vice-point


Handelt es sich aber um einen längeren zusammenhängenden englischen Text, der zum Beispiel in einem deutschen Buch zitiert wird, muss nach den englischen Regeln getrennt werden. Wohl dem, der da ein Wörterbuch mit Angaben zu Trennungen besitzt: Die englische Worttrennung (ein paar wenige Infos dazu hier) richtet sich nämlich sowohl nach phonetischen (Silben) als auch nach morphologischen (Wortstamm) Prinzipien und wird dadurch so kompliziert, dass sie angeblich in englischsprachigen Ländern in der Schule kaum behandelt wird.

Für Wörtersammler: Wortschatzlexikon

Eine nützliche und interessante Datenbank ist das Wortschatzlexikon der Universität Leipzig. Hier finden sich zum jeweiligen Suchbegriff unter anderem Synonyme, Relationen zu anderen Wörtern, Bedeutungsgruppen, Anwendungsbeispiele und – besonders hübsch! – Assoziationsgraphen. Unter „Wörter des Tages“ sind Wörter aufgelistet, die am jeweiligen Tag in Tageszeitungen und Newsdiensten besonders häufig vorkommen.

Rechtschreibtipp: Tageszeitangaben

Häufig gibt es Unsicherheiten bei der Schreibweise von Tageszeitangaben. In Verbindung mit den Zeitadverbien „heute“, „gestern“, „morgen“ gilt die Tageszeit als Substantiv und wird großgeschrieben: heute Morgen gestern Abend morgen Vormittag Wird das Zeitadverb durch „früh“ ergänzt, schreibt man Letzteres im Allgemeinen klein: morgen früh (So ist es in Deutschland üblich, in Österreich heißt es auch „morgen Früh“.) In Verbindung mit Wochentagen schreibt man die Tageszeitangabe mit diesen zusammen: Dienstagabend Montagnachmittag Freitagmorgen Steht der Wochentag in Verbindung mit einem Tageszeitadverb und findet ein Ereignis regelmäßig am gleichen Wochentag zur gleichen Tageszeit statt, gibt es zwei Möglichkeiten: dienstagabends oder dienstags abends Achtung: Bei der Getrenntschreibung endet das auf den Wochentag bezogene Adverb mit einem s!

Lesetipp: „Wie sich Unternehmenssprache im Social Web ändern muss“

Twitter, Blogs, Communitys, also die Social Media, über die Unternehmen in einen Dialog mit ihren Kunden treten können, erfordern eine neue Unternehmenssprache – so Tilo Timmermann in einem interessanten Beitrag im Upload-Magazin. Der Auftritt von Unternehmen in diesen Medien basiert auf Text und Sprache, diese tragen somit wesentlich zum Image der Organisationen bei. Imageprägend wirkt Sprache natürlich auch außerhalb von Online-Netzwerken; als neue Tendenz nennt Timmermann ein wachsendes Selbstbewusstsein der im Social Web Angesprochenen, die sich kritisch mit dem Auftritt des Sprechers auseinandersetzen. Wie er feststellt, fehlt jedoch vielerorts in den Unternehmen noch das Bewusstsein über eine social-media-gerechte Sprache: „Guter Text hat keine Lobby.“ Seiner Forderung nach einer neuen Diskussion über Sprache in Zeiten von Web 2.0 schließen wir uns an – hier sind professionelle Textarbeiter gefragt!

Tankstellenorthografie: Et-Zeichen & Co.

 

Nein, wir meckern hier nicht etwa über fehlende Bindestriche und Leerschritte oder überflüssige Punkte nach frei stehenden Zeilen … Wir nehmen dieses hübsche Öl-Schokocroissant-Latte-Tankstellen-Ensemble zum Anlass, uns über die Verwendung des Et-Zeichens auszulassen – also den hübschen Schnörkel, der hier gleich dreimal auftaucht. Woher es stammt und wann es angebracht ist, erklärt der Duden so:

Das Zeichen & ist eine verschnörkelte Schreibung des lateinischen Wortes et, die schon in mittelalterlichen Handschriften belegt ist. Es bedeutet und, darf aber nur bei Firmenbezeichnungen angewendet werden: Voß & Co., Mayer & Neumann. © Duden. Richtiges und gutes Deutsch, 6. Auflage, Mannheim 2007

Das Et-Zeichen ist also ausschließlich Firmennamen vorbehalten – in der Werbesprache wird es dennoch auch in anderen Zusammenhängen gerne und sehr häufig eingesetzt. Ist halt ein hübscher Schnörkel und soll wohl irgendwie professioneller wirken als das langweilige, gewöhnliche „und“ …

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