Kein Name

CommunityCamp 09 in Berlin

Vom 31.10. bis 1.11. fand in Berlin das zweite CommunityCamp statt, bei dem sich Community-Manager aus ganz Deutschland zum Erfahrungsaustausch trafen. Ich war am zweiten Tag dabei und habe in drei Sessions Vorträge gehört. In der ersten Session ging es darum, was Menschen motiviert, Mitglied in einer Online-Community zu sein. Zu den wichtigsten Aspekten zählen wohl das Bedürfnis nach Anerkennung und Bestätigung, nach Beziehungen und sozialem Kontakt, Status und Geltung, aber auch Eros und Schönheit, körperliche Aktivität und emotionale Ruhe motivieren offensichtlich Menschen, in Communitys mitzumachen. (Mehr dazu schreibt Sven Oetke, der die Session leitete, auf seiner Website.) In der zweiten Session stand das Berufsbild des Community-Managers im Mittelpunkt. Silke Schippmann und Linda Konter stellten erste Ergebnisse einer Umfrage des Bundesverbandes Community Management vor: Der typische Community-Manager ist männlich, 29 Jahre alt, hat ein geisteswissenschaftliches Studium absolviert, ist selber seit sieben Jahren Mitglied in Communitys, hat drei Jahre Berufserfahrung und verdient ca. 37.000 Euro brutto. Interessante Diskussion im Anschluss: Wer ist geeigneter für den Beruf des Community-Managers – junge Leute, die mit Social Media ausgewachsen sind und das technische Know-how haben, oder Ältere, die evtl. die Zielgruppen besser kennen und kompetent sind in Sachen Konfliktschlichtung? In der dritten Session stellte Ralf Zosel vom C. H. Beck Verlag seine Erfahrungen aus Community-Manager-Sicht mit dem CMS Drupal vor. Sein Fazit: alles in allem sehr zufrieden mit Drupal, trotz einzelner Einschränkungen. Und hier mein Resümee: schöne Sache, das CommunityCamp – gut organisiert und interessante Leute! Im nächsten Jahr bin ich dann hoffentlich an beiden Tagen dabei. (In einem CampWiki werden demnächst Papers und Ergebnisse des CommunityCamps zu finden sein.)

Text-Analyse-Tool prüft Lesbarkeit von Texten

Und noch ein schönes neues Tool vom Schreiblabor (über den Füllwörtertest hatten wir ja schon berichtet): ein Text-Analyse-Tool, das Texte auf ihre Lesbarkeit hin prüft. Die Bewertung der Lesbarkeit richtet sich nach dem Lesbarkeitsindex Flesch und einer Skala, die von „anspruchslos“ (Comic, Werbetext) bis zu „sehr schwierig“ (Doktorarbeiten) reicht. Dabei werden unter anderem Aspekte wie die Länge der Wörter und Sätze oder das Vorkommen von Füllwörtern und Phrasen berücksichtigt. Wir haben mal die Probe mit einigen Auszügen aus Kafka-Texten gemacht. Nach 0,8430 Sekunden wurde das Ergebnis angezeigt: Fleschindex = 63, was der Kategorie „einfach“ (Anleitungen, Rezepte) entspricht. Eine professionelle Überarbeitung ersetzt das Werkzeug natürlich nicht, aber vielleicht kommt der eine oder die andere nach der Textüberprüfung ja auf die gute Idee, seinen Text in Lektorenhände zu geben …

Typografietipp: Leerzeichen bei z. B.

Oft wird mit Leerzeichen zu verschwenderisch umgegangen (Stichwort „Deppenleerzeichen“), nicht selten wird jedoch auch an ihnen gespart, wenn sie eigentlich angebracht sind. Ein häufiger typografischer Fehler ist das fehlende Leerzeichen bei Abkürzungen wie z. B. (oder e. V., u. a.). Genauer gesagt muss zwischen z. und B. ein schmales Leerzeichen stehen, das nicht durch einen Zeilenumbruch getrennt werden darf.

Twittersprache: Ich followe, du followst …

Seit wir twittern hat das schöne englische Wort „Follower“ Eingang in unseren Wortschatz gefunden. Als Substantiv bereitet der Begriff keine Probleme, wenn er im Deutschen verwendet wird: „XY ist mein neuer Follower“, „ich bin jetzt Follower von AZ“ – klingt aber ehrlich gesagt etwas umständlich. Wer sich einfacher ausdrücken will, verwendet daher das Verb „followen“. Das ist zwar weder im Duden noch im PONS-Online-Wörterbuch verzeichnet, dafür wird man im Szenesprachenwiki fündig. Demnach bedeutet „followen“:
Einträge auf dem Microblogging-Dienst Twitter regelmäßig verfolgen. „Followen“ ist dabei sehr nahe, wenngleich nicht gänzlich deckungsgleich mit „Lesen“. Das Followen ist ein zentrales Handlungsmuster beim Twittern (den Dienst Twitter nutzen).
Schön, jetzt können wir uns immerhin auf ein Wörterbuch berufen, in dem dieses Verb verzeichnet ist. Aber ein Problem stellt sich uns immer noch: Wie konjugiert man dieses Verb? „Ich followe“, „du followst“, „sie followt“? Klingt irgendwie doof … Bei der weiteren Recherche sind wir zwar auf keine sprachlich schöneren Alternativen gestoßen, dafür aber auf ein amüsantes Netzwörterbuch, dass unter anderem das Gegenteil von „followen“ verzeichnet, nämlich „ jmd. unfollowen":
Als unfreundlicher Akt angesehene Tätigkeit des Entfernens eines an Logorrhoe leidenden Zeitgenossen aus der eigenen Leseliste auf Twitter.

Gastronomie und Rechtschreibung

Ja, Lektoren, die sich über Rechtschreibfehler in Speisekarten lustig machen, sind Besserwisser. Aber diesen interessanten gastronomischen Gebrauchstext möchten wir der Öffentlichkeit doch nicht vorenthalten: Speisekarte

Füllwörter tilgen

„Doch“, „geradezu“, „also“ und Konsorten blähen Texte unnötig auf. Bei schreiblabor.com kann man die überflüssigen Füllsel mit einem Füllwörtertest ganz schnell tilgen lassen: Einfach eine Textpassage aus einem Textverarbeitungsprogramm in das Testfeld kopieren und die Füllwörterprüfung starten – die Blähwörter werden sofort angezeigt. Wir haben eine Passage aus einem kürzlich bearbeiteten Manuskript prüfen lassen. Hier das Ergebnis (die laut Test überflüssigen Wörter stehen in Klammern):
Manager benötigen Werkzeuge, um die Informationen zu erhalten, die sie brauchen. (Einige) dieser Instrumente existieren (schon) seit Langem, hatten (aber) (nur) (selten), wenn (überhaupt), den Zweck, eine Organisation zu managen. (Einige) werden überarbeitet, da sie in ihrer ursprünglichen Form nicht mehr funktionieren.
Von den insgesamt 42 Wörtern hat der Test sieben als Füllwörter identifiziert. Aber auch wenn ich immer sehr für sprachliche Knappheit bin – richtig Sinn macht der Text jetzt nicht mehr … (Via Textguerilla)

Lesetipp: „Aufstieg eines Verlegers“

Auf FAZ.NET porträtiert Alexander Schimmelbusch heute den zweimaligen britischen „Verleger des Jahres“ Jamie Byng. 1994 übernahm Byng den damals insolventen schottischen Verlag Canongate, in dem er nicht allzu lange zuvor seine Verlagskarriere als Praktikant begonnen hatte. Zwei große Coups gelangen Byng mit dem Einkauf der Rechte an Yann Martels Roman „Schiffbruch mit Tiger“, der später den Booker Prize einheimste, und an den Publikationen eines gewissen Barack Obama. Byng setzt zudem auf neue Technologien und Kommunikationsformen wie iPhone und Twittern. Für Nick Caves Roman „Der Tod des Bunny Munro“ hat Canongate eine iPhone App entwickeln lassen, die außer dem Text eine Videolesung und einen eigenen Nick-Cave-Soundtrack enthält. Dem Canongate-Titel „Sum“ von David Eagleman hat Byng zufolge kürzlich ein Tweet des Schauspielers und Schriftstellers Stephen Fry von Rang 3629 auf Rang 2 auf der britischen Amazon-Bestsellerliste verholfen.

Lesetipp: „Schuften fürs Zauberbuch“

Wie ein Buch entsteht, genauer gesagt die deutsche Übersetzung von Walt Whitmans „Leaves of Grass“, darüber berichten in der heutigen taz Kirsten Küppers und Dirk Knipphals. Die Geschichte der Übersetzung beginnt mit der Idee des Hanser-Verlegers Michael Krüger, der sich entgegen seinen kaufmännischen Bedenken 2007 zur Publikation der ersten vollständigen deutschen Ausgabe der „Grasblätter“ entschloss. Von Januar 2008 bis April 2009 arbeitete Jürgen Brôcan an der Übersetzung der 860 Seiten starken Gedichtsammlung – unter Arbeits- und Lebensbedingungen, die wie eine Zumutung erscheinen, für Literaturübersetzer aber gang und gäbe sind:
Der Vertrag, den sie (Krüger und Brôcan) abschließen, sieht ein Gehalt vor, von dem der Verleger selbst sagt: „Leben kann man davon nicht.“ Brôcan kriegt zwar noch ein Stipendium des Landes Nordrhein-Westfalen: 4.000 Euro für vier Monate. Für ein Leben reicht das alles nicht.
Die Arbeit des Verlagslektors Kristian Wachinger kommt in dem Artikel eher am Rande vor. Trotzdem interessant zu lesen – schließlich decken sich die Arbeitsumstände von freien Lektoren und Übersetzern in vielen Punkten.

Deutsch – wie oder was nun?

"Die Sprache der Bundesrepublik ist deutsch." So möchten es die schwarz-gelben Koalitionäre gerne ins Grundgesetz schreiben. Wer liest das eigentlich Korrektur? Kleiner Tipp:
deutsch/Deutsch: … Großgeschrieben wird das substantivierte Adjektiv, wenn es im Sinne von "deutsche Sprache" verwendet wird. © Duden, Die deutsche Rechtschreibung, 25. Auflage, Mannheim 2009
Oder um es noch deutlicher zu machen: "Deutsch" wird großgeschrieben, wenn man es mit "was" erfragen kann, und klein, wenn es durch "wie" erfragbar ist.

Rechtschreibtipps: Bindestrich ja oder nein?

In Werbetexten finden sich häufig Fehler beim Gebrauch des Bindestrichs. Oft wird mit ihm zu verschwenderisch umgegangen und er taucht an Stellen auf, an denen er überhaupt nicht nötig ist, zum Beispiel in Zusammensetzungen wie "Import-Formate". Der Bindestrich darf laut Duden zwar bei Zusammensetzungen gebraucht werden, die man eigentlich in einem Wort schreibt, wenn die einzelnen Bestandteile hervorgehoben werden sollen. Ein Beispiel hierfür ist die "Hoch-Zeit der Romantik". Hier soll der Bindestrich deutlich machen, dass es sich nicht um eine Eheschließung handelt, sondern um die Blütezeit der Romantik. Ebenso ist der Bindestrich zulässig bei Zusammensetzungen, die missverstanden werden könnten: So kann mit "Druckerzeugnis" sowohl ein "Druck-Erzeugnis" als auch ein "Drucker-Zeugnis" gemeint sein – der Bindestrich hilft, Missverständnisse auszuschließen. Im genannten Beispiel "Import-Formate" ist der Bindestrich jedoch schlicht und einfach überflüssig. Häufig fehlt der Bindestrich aber auch in Zusammensetzungen, besonders bei Komposita mit englischsprachigen Bestandteilen wie "Facility Management" oder "Cochrane Review Gruppe". Hierzu schreibt der Duden:
In der Regel werden fremde wie heimische Komposita zusammengeschrieben: Bulldozer, Teamwork, Worldcup, Folksong, Brainstorming.
Um eine Zusammensetzung übersichtlicher zu machen, darf aber ein Bindestrich gesetzt werden. Richtig wären also sowohl "Facilitymanagement" als auch "Facility-Management". Die Zusammensetzung "Cochrane-Review-Gruppe" erfordert auf jeden Fall einen Bindestrich. Entfallen darf der Bindestrich bei mehrgliedrigen fremdwörtlichen Ausdrücken, wenn der erste Teil des Kompositums ein Adjektiv oder Partizip ist und bei der Aussprache die Betonung auf dem ersten Glied liegt. Man darf also sowohl "Happy End" als auch "Happyend" schreiben.

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